Künstliche Intelligenz (KI) hat nichts mit dir und deinem Alltag zu tun? Bei dem Thema geht es um smarte Roboter, die in irgendwelchen Forschungseinrichtungen entwickelt und getestet werden? Wenn überhaupt, wird KI in 50 Jahren relevant und das ist viel zu weit weg, als dass du dir jetzt schon Gedanke darum machen müsstest?

Falsch gedacht! Künstliche Intelligenz erreicht viele Bereiche des Berufsalltags und ist für nahezu jede Branche relevant – schon heute! Dass Künstliche Intelligenz etwas mit Robotern zu tun hat, die uns Menschen im Alltag unterstützen, ist schlicht ein Irrglaube.

Tatsächlich steckt die Intelligenz in Software, die wir schon jetzt oder ganz bald nutzen werden. Statt um Science Fiction geht es um die Auswertung riesiger Datenmengen und die Automatisierung von nervigen Aufgaben, die jeder von uns nur allzu gerne abgibt. artificialwork zeigt dir, wie intelligente Software deinen Arbeitsalltag schon heute erleichtern kann.

 

Was machst du eigentlich jeden Tag?

Wie sieht eigentlich dein klassischer Arbeitsalltag aus? Wenn du im Projektgeschäft tätig bist, wirst du deine Projekte planen, verwalten und abarbeiten. Ganz egal, ob du nun in einer Agentur arbeitest, als Freelancer tätig bist oder in der Abteilung eines großen Unternehmens sitzt. Natürlich trinkst du zwischendurch mal einen Kaffee, gehst zum Lunch und checkst dein Smartphone.

Du stimmst dich mit Kollegen ab, eventuell sogar ort- und zeitunabhängig, erfasst vielleicht Arbeitszeiten und wirst am Ende des Tages einen Überblick brauchen, ob und wie erfolgreich eure oder deine Projekte waren. Zumindest musst du wissen, wie groß der Projektfortschritt ist – die Deadline trägt ihren Namen schließlich nicht umsonst. Und irgendwo innerhalb eures oder deines Unternehmens werden Angebote erstellt und Rechnungen geschrieben. Hoffentlich deckt die Rechnungssumme am Ende den Projektaufwand. Sonst hat euer oder dein Unternehmen irgendwann ein Problem.

 

Die nüchterne Wahrheit: Kein Businessprozess ohne Daten und Verwaltung

All diese Dinge, die jeden Tag in jedem projektbasierten Unternehmen geschehen, basieren auf Daten – den Kaffee zwischendurch und den Lunch mal ausgenommen. Und diese Daten müssen verwaltet werden. Nehmen wir z.B. die Rechnungserstellung am Ende eines Projektes. Wie kann gewährleistet werden, dass der Aufwand gedeckt ist und eure Unternehmung Gewinne erwirtschaftet? Das klappt nur, wenn Projekte realistisch geplant sind. Auf Grundlage von Daten, wie z.B. der Arbeitszeit, wird über Projekterfolg oder Misserfolg entschieden.

Administrative Prozesse rund um unsere Projektplanung und die Auswertung von Daten sind teuer.

Das Problem? All diese administrativen Prozesse rund um unsere Projektplanung und die Auswertung von Daten sind teuer. Zudem sind sie fast nie Teil der Wertschöpfung von Unternehmen. Und hier kommt Künstliche Intelligenz ins Spiel! Denn smarte Software kann jeden Prozess ohne tatsächliche Wertschöpfung ablösen – auf Grundlage von datenbasierter Automatisierung. Wie genau das in der Praxis funktioniert und was das für deinen Arbeitsalltag heißt, erklären wir dir gleich. Zunächst sollten wir klären, was KI überhaupt ist. Denn dass es dabei nicht um Science Fiction-ähnliche Roboter geht, haben wir ja schon erwähnt…

 

Exkurs: Künstliche Intelligenz – Was ist das eigentlich?

Über den Begriff der KI kursieren so viele Mythen, dass kaum einer weiß, was es nun wirklich damit auf sich hat. Zudem wird der Begriff in den unterschiedlichsten Zusammenhängen verwendet: Die einen verbinden damit einen smarten Begleiter im Alltag, wie den süßen Roboter Pepper, wieder andere denken dabei an selbstfahrende Autos und auch Businesssoftware ist zum Teil schon intelligent. Tatsächlich, und das ist der zentrale Punkt, kommt es immer darauf an, wie der Begriff ausgelegt wird.

Wir gehen in diesem Beitrag bei dem Begriff KI von einem System aus, dass aus den Arbeits- und Verhaltensweise von Nutzern „lernen“ kann. Diese Art von Software kann selbstständig kontextbezogene Hilfe anbieten oder Empfehlungen für konkrete Anwendungsprobleme aussprechen. Sie „denkt mit“ und bringt Intelligenz in alltägliche Businessprozesse. Genau genommen handelt es sich dabei jedoch um eine datenbasierte Automatisierung, nicht um KI im ursprünglichen Sinne.

 

Können Maschinen auch selbstständig nachdenken?

Geht man von einer Intelligenz aus, die wie der Mensch kreativ nachdenken und Probleme selbstständig lösen kann, ist Intelligenz (noch) kein Teil moderner, smarter Software. Diese Form der KI wird es vermutlich erst in einigen Jahrzehnten in Business Software geben.

In einem Gespräch mit artificialwork erklärt KI-Experte Oliver Kramer von der Universität Oldenburg, dass man bei einer sauberen Definition von KI zwischen verschiedenen Entwicklungsstufen unterscheiden müsse: Überwachtes Lernen bzw. Supervised Learning sei der Bereich, der aktuell am erfolgreichsten in der Industrie eingesetzt würde. Etwa 90 Prozent der AI, mit der im Moment Geld verdient wird, sei im Bereich Supervised Learning anzusiedeln.

„In der Informatik hat man ein Problem und zerlegt das Problem in kleine Teilprobleme, die man als Programmierer löst. Eine AI lernt die Lösung aus Beispielen und kann auf neue Lösungen kommen.“ Oliver Kramer im Gespräch über KI

Oliver Kramer erläutert, dass man beim Supervised Learning einer Maschine Beispiele in Form von Daten zeige und sie daraus lerne, eine Lösung zu konstruieren. Sie könne auch Generalisieren und Interpolieren, d.h. bei neuen Aufgaben eine vernünftige Lösung anbieten. Auch er weist darauf hin, dass eine Maschine, die selbstständig über Sachen nachdenken und zu eigenen Lösungsvorschlägen kommt, erst der nächste oder vielleicht sogar dem übernächsten Entwicklungsschritt angehöre.

 

Werden wir durch Künstliche Intelligenz alle unseren Job verlieren?

Kommen wir zurück zu unserer Eingangsfrage: Was passiert, wenn KI (in welcher Entwicklungsstufe auch immer) in unseren Geschäftsalltag tritt? Immer wieder liest man davon, dass unsere Jobs in Gefahr seien. Erst kürzlich hat Zalando 250 Mitarbeiter aus dem Marketing entlassen, um das Personal im Bereich Programmierung und Entwicklung auszubauen. Sollten wir in Zukunft also alle als ITler arbeiten? Oder unseren Kindern raten Informatik zu studieren?

„Wir gehen davon aus, dass Marketing in Zukunft noch datenbasierter sein muss.“, Rubin Ritter von Zalando

Keine Panik! KI kann (fast) niemals ganze Jobs, Prozesse oder Geschäftsmodelle ersetzen. Vielmehr geht es darum, die menschlichen Tätigkeiten zu unterstützen und damit wertvoller zu machen. Schließlich hat man viel mehr Zeit, wenn man sich um Administration und Datenauswertung keine oder weniger Gedanken machen muss. Um bei unserem Beispiel aus dem Marketing zu bleiben: Eine KI kann den kreativen Schaffensprozess eines Menschen (noch lange) nicht ersetzen.

 

So werden sich Unternehmen durch Künstliche Intelligenz verändern

Während der Mensch, also du, dich auf deine Kernfähigkeiten konzentrieren kannst (Denken, Führen, Einordnen oder Kreieren), kann dich eine Maschine von den nervigen Aufgaben den Berufsalltags befreien, oder für den Beginn zumindest entlasten. So kann intelligente Software z.B. selbstständig Arbeitszeiten erfassen, Angebote und Rechnungen erstellen oder verschicken.

Smarte Business Software kann dazu beitragen deine alltäglichen Tätigkeiten zu verbessern. Klick um zu Tweeten

Neben der Unterstützung im Projektalltag, kann smarte Business Software auch dazu beitragen deine Tätigkeiten zu verbessern. So kann eine KI z.B. auf Grundlage von Arbeitszeit oder überschrittenem Budget erkennen, dass ein aktuelles Projekt im Vergleich zu anderen Projekten viel schlechter lief. In diesem Szenario würde dich die Software über den Misserfolg informieren und automatisch Verbesserungsvorschläge anbieten. Klingt gar nicht mal so schlecht, oder?

 

Den Grundstein haben wir alle schon gelegt: Riesige Datenmengen warten darauf ausgewertet zu werden

Daniel Rebhorn, Managing Partner bei diconium, weist darauf hin, dass die Meisten von uns vermutlich schon den Grundstein für die von Nutzung einer KI gelegt hätten. Und zwar in Form von Daten.

„Mit Daten kann man schon heute komplett neue Geschäftsfelder erobern. Daten sind das neue Gold.“ Oliver Kramer im Gespräch über KI

Diese riesigen Datenmengen gilt es jetzt auszuwerten und zu nutzen. Denn seien wir mal ehrlich, selbst der größte Denkprofi kann nicht leisten, was eine Maschine in wenigen Sekunden schafft. „Im Computer gestützten Zeitalter sammeln wir tagtäglich Daten, die „nur noch“ ausgewertet werden müssen. Um dann mehr über Kunden, die eigenen Produkte und Optimierungspotenziale zu erfahren. Wenn Big Data die erste Zündstufe der intelligenten Automation war, dann ist die Analyse durch KI Stufe Nummer zwei“, sagt Daniel Rebhorn über KI im Business.

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